zehnter Eintrag

Lauris, der kein Koffein verträgt, war für seine Mutter unterwegs, um ein Auto, den sie in Deutschland gekauft hat, nach Lettland zu bringen. Nachdem er mich beim Einkaufszentrum in Suwalki aufgegabelt hat, ging es auch schon los. Die Fahrt dauerte nicht wirklich lange, aber die Gespräche waren sehr unterhaltsam. Als wir nach 2 Stunden in Kaunas angekommen sind, gingen wir noch zusammen in einer Café/ Patissiére was trinken. Für ihn ein Kräutertee, ohne Koffein versteht sich. Für mich dasselbe (trinke kein Kaffee). Beim Trinken bot er mir ein Platz in seiner WG zum übernachten an, wenn ich mal in Riga angekommen bin, was ich natürlich sofort angenommen habe. Er blieb nicht sehr lange und verabschiedete sich auch schon bald. Davor gab er mir aber noch seine Handynummer, damit ich mich in Riga bei ihn melden kann. Als auch ich mich bereit machte und die Rechnung zahlen wollte, kam ich mit der hübsche, junge Verkäuferin ins Gespräch, worauf sie mir Schokolade an der Stange mit Orangearoma als ein Willkommensgeschenk mitgab und mir viel Glück für die weitere Reise wünschte. Ich habe mich danach sofort in sie verliebt ;-)

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Es war wirklich toll, dass ich auf Couchsurfing langsam öfters Zusagen bekomme, statt wie üblich Absagen. So hatte ich auch in Kaunas jemand gefunden. Sie hiess Kothryna, eine lustige und lebhafte Person, die etwas alternativ orientiert ist ( habe hier zum ersten Mal Yoga praktiziert und selbstgemachter Smoothie getrunken). Sie wohnt mit ihrem Freund Julius zusammen in einer Wohnung ein wenig ausserhalb der Stadt. Julius war so ein Art Typ, der so richtig stolz auf seiner Herkunft und Land ist. Ein richtiger Patriot. Mit ihm durfte ich zusammen den Samstag die ganze Stadt besichtigen. Zu jeder Gebäude wusste er mindestens etwas zu erzählen. Und als ich dann noch erwähnte, dass ich mich auch sehr für die jeweiligen Kultur des Landes interessiere, war er nicht mehr zu stoppen und erzählte mir ohne Unterbruch “alles” was es über die verloren gegangener Kultur der Balten zu wissen gibt.
Wusstet ihr zum Beispiel das der Name des Charakters aus Dragon Ball Oberteufel “Piccolo” nichts mit dem italienische Wort “piccolo” ode die Piccolo-Flöte zu tun hat, sondern auf der Name des Teufels in der baltische Mythologie bezieht? Auch das durfte ich von ihm Lernen, wobei ich es mehr als Zufall erachte. Unnützes Wissen, den du aber lustigerweise nie mehr vergessen kannst. Nach meiner Offenbarung von meiner Interesse an Kultur wurden wir wie dicke Freunde.

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Am Nachmittag am Ende der Tour trafen wir in der Stadt auf Kothryna, die zuvor noch eine Bewerbungsgespräch hatte. Zusammen besuchten wir noch Julius Eltern, die in einer alten, klassischen, sozialistischen Wohnblock wohnten. Die Wohnung war wirklich “cool” von innen wenn ich es so nennen darf. Die Wohnung war dunkel und wie Julius es beschreibt so gebaut, dass du dich nicht wohl darin füllst. Durch den Besuch konnte ich auch einen Einblick im Alltag einer litauischen Familie erhaschen. Der Vater war von Persönlichkeit her gleich wie Julius und erzählte mir eine menge Dinge und Orte, die ich in Litauen unbedingt besuchen muss. Zum Beispiel einen Park der baltische Mythologie in Klaipeda, den er und seine Söhne errichtet haben (was mich nicht sehr überraschte). Es wurde auch noch gekocht 3 Uhr und das extra für mich. Es gab unter anderem Randen Suppe, ein typisch baltisches Gericht.

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Zu Abend waren Julius und Kothryna noch bei einem guten Freund (ein Techniker) eingeladen und ich durfte auch dabei sein. Zuvor gingen wir noch zwei Flasche Wein kaufen, welches aus Beeren gewonnen wurde. Es war ein toller Abend, wo ich viel lachen konnte, viel über diese Leute erfahren konnte und auch von mir viel erzählen durfte. Der Wein mochte ich auch ganz gut Leiden, denn er hatte ein sehr fruchtigen Geschmack. Der Tag wurde noch mit ein paar Folgen “Skippy the Bush Kangaroo” abgerundet, ein australischer Tierfilm aus der 60er Jahren. Es war zum wirklich zum Todlachen.
Ein Besuch von Kothrynas Mutter am nächsten Morgen änderte spontan meine Reisepläne als sie mich fragte ob mit ihr mit dem Auto nach Vilnius mitwolle. Eigentlich lag Vilnius überhaupt nicht auf meinem Weg, aber ich zu mir :”wieso nicht?”(Zitat von einen guten Freund) Zeit hatte ich ja reichlich, also sagte ich zu. Eigentlich wollte ich noch länger bei Kothryna und Julius bleiben. Es sind wirklich tolle Personen und ich wollte noch ein wenige länger mit ihnen Zeit verbringen und mich von ihnen ein wenig inspirieren lassen. Aber so eine Chance hat man auch nicht alle Tage. Also packte ich meine sieben Sachen zusammen und sass kurze Zeit später im Auto Richtung Vilnius.

neunter Eintrag

Auf dem Weg nach Suwalki ereignete sich etwas aussergewöhnliches, bei dem ich heute noch nicht so recht fassen kann, ob das wirklich passiert ist. Es war der dritte Tag, an dem ich mich langsam Kalinowo näherte, ein kleines Dorf mitten in Nirgendwo.Es war nur noch etwa 5 km zu laufen, als ein Auto an mir vorbeifuhr und anschliessend abrupt anhielt. Ich war mir sicher, dass ich meine Daumen nicht ausgestreckt habe. Also wollte ich einfach daran vorbeilaufen, vielleicht hat es ja gar nichts mit mir zu tun (oder vielleicht doch? Paranoia?). Der Fahrer deutete mich darauf hin, ich solle hinten einsteigen. Auf polnisch versteht sich. Das Ganze kam mir anschliessend wie eine Entführung vor, als der grosser Beifahrer auch noch ausstieg, um mir die Hintertür aufzuhalten. Irgendwie blieb mir nichts anders übrig als einzusteigen, wegrennen konnte ich ja schlecht. Wir hatten anschliessend eine nette Smalltalk, in dem ich irgendwie mit Händen und Füssen mitteilen konnte, dass ich nach Suwalki müsse. Für sie sei Kalinowo aber Endstation. Ok, immerhin haben sie mich für die 5 km noch mitgenommen. Wir hielten anschliessend bei einer Lebensmittelladen an und er fragte mich nach einer Kaffee. Ich wusste nicht, ob er für die “Umstände” für das Mitnehmen ein spendierter Kaffee von mir erwartete. Ich sagte anschliessend zu. Ich wollte ja nicht geizig sein. Nachdem wir durch die Hintertüre eingetreten sind, erklärte mir der Fahrer, dass er der Inhaber dieser kleinen Laden ist und er mich auf ein Kaffee einlädt. Ich kam zunächst mit der Handlung anschliessend nicht ganz nach, denn ich war immer noch ganz “Baff” von der Offenbarung. Es wurde Tee offeriert (ich trinke kein Kaffee), danach gab es auch noch belegte Brötchen und eine kleine Tour durch das Geschäft (hinten war auch noch eine Bäckerei), bei dem ich noch alle Mitarbeiter/innen kennenlernte. Anschliessend gab es im Büro von Marek Kaminski( ein typisch deutscher Nachname sagte er) noch eine Art Konversation, über meine Reise und so weiter, ich auf Englisch und Deutsch, er auf Polnisch. Nachdem ich zwangshalber alle Brötchen aufgegessen habe, kam der Beifahrer ins Büro mit einen Sack voll Brot und andere süsse Backwaren geeilt und gab ihn an Marek, der ihn anschliessend mir in die Hände drückte.”Für mich?”,fragte ich, worauf er ernst nickte. Die Freude war gross einerseits aber ich fühlte mich auch unwohl dabei, denn ich nehme nicht gerne Geschenke einfach so entgegen ohne etwas dafür getan zuhaben. “Habe ich mir das verdient?” war einer von vielen Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Ich machte anstalten den Sack wieder zurückzugeben, aber er blieb hartnäckig. Nachdem wir uns verabschiedet haben, schaute ich immer noch ungläubig den Sack in meiner Hand. Salvator würde an dieser Stelle fragen:”is that humanity?”, worauf ich mit Gewissheit ja sagen kann. Es ist kaum vorstellbar, dass Leute aus schlechterem Verhältnis einfach so einen Fremden zu sich einlädt und ihn auch noch für seine weitere Reise mit Lebensmittel austattet, aber es passiert. Zumindest mir ist es passiert. Ich bin heute noch dankbar für das Brot und schreibe seit dem auch jeweils an Herr Marek Kaminski eine Postkarte um dafür zu bedanken.

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Ich freute mich unendlich, als ich in Suwalki ankam. Dieser Stadt hat eigentlich nichts wirklich besonderes an sich, zumindest war das meine erste Impression. Der wahrer Grund weshalb ich mich freute war, das ich hier wieder einmal einen Host über Couchsurfing gefunden habe. Er heisst David ein junger Mann, der noch bei seiner Eltern wohnt. Da er noch bis 7 Uhr am arbeiten war, ging ich schon mal alleine zu der Adresse den er mir gegeben hat. Keine einfache Sache wie es sich herausstellte. Er wohnte in der Apartment Nr.24 im Abschnitt 3 der Wohnblock 19. Nach einer guter Stunde begrüsste mich seiner Mutter ganz herzlich in die Wohnung und fragte mich gleich ob ich Hunger habe. Ich zeigte Ihr den Sack voll Brot und meinte, dass ich auch genug Essen zu verteilen dabei habe. Sie zeigte mir noch die Wohnung, danach durfte ich wieder einmal eine Dusche seit langem nehmen. Highlight des Tages schlechthin.
Ich durfte in sein Zimmer schlafen. Während ich meine Sachen ordentlich einrichtete, konnte ich schon einmal ein Bild von David anhand seiner Gegenständen im Zimmer machen. Dabei stiess ich auf viele kuriosen DVD’s und Bücher, die man hauptsächlich mit der Zeugen Jehovas in Verbindung setzt. Ich begann mich zu fragen, ob es gut hier zu bleiben. Aber meine Sorgen waren unbegründet.
David ist ein ganz cooler Typ, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte, ständig “Jokes” machte und viele Reiseerfahrungen mit dir austauschen kann, vorallem wenn es um “hitchhiking” geht. Während mein Aufenthalt bei ihm nahm er sich viel Zeit für mich wenn er nicht am arbeiten war. Er zeigte mir alle historische Plätze und Bauten der Stadt und ging mit mir Billiard spielen. Ich verlor alle Partien ausnahmslos. Kein Wunder, er ist auch ein richtiger Profi. Ich war nicht wirklich frustriert über die Niederlage, denn ich konnte dafür einiges neues Wissen sammeln, womit ich später dann prahlen kann. Ich meine, wer weiss schon was ein “chinese Pool” ist? Mit seiner Mutter kann ich schon eher ins Gespräch über Religion und Glauben. Sie ermutige mich, die Zeugen Jehovas in der Schweiz zu besuchen damit sie es mir besser erklären können was sie mir eigentlich sagen wollte. Klar werde ich das tun :-P. Das Gespräch war trotzdem sehr spannend.

Die Tage in Suwalki gingen schnell vorüber, vorallem weil ich einen Tag früher eine Mitfahrgelegenheit nach Kaunas bei blablacar gefunden habe. Wir machten beim Einkaufszentrum ab, der ziemlich interessant ist. Im Einkaufszentrum drin steht eine alte Gebäude, der historisch bedingt geschützt ist und nicht abgerissen werden darf. Deswegen haben sie den Einkaufszentrum einfach rundherum gebaut. Das Gebäude war früher einmal ein Gefängnis. Das lustige daran ist, dass heute der Kinderhort darin eingerichtet ist und das Gebäude somit sozusagen seine damalige Funktion beibehalten hat. Nur sperrt man heute dort Kinder ein.

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Danzig/Challenge

Gdànsk oder auch Danzig auf deutsch liegt an der Ostsee und ist seit jeher die wichtigste und grösste Hafenstadt des Landes. Das ehemalige Mitglied der “Hansengemeinschaft” ist vor allem bekannt für sein einzigartiges Bernsteinvorkommen. Kein Wunder dreht sich hier der ganzer Tourismus um den Prähistorische Harz. An jeder Ecke werden Bernsteinschmuck an kleinen Ständen und Läden angeboten und eine entsprechende Museum um das “Gold der Ostsee” rundet noch das ganze ab.

Abgesehen von dem ganzem Bernstein, gibt es natürlich auch andere Dinge zu bestaunen. Nehmen wir doch gleich den Krantor, das Wahrzeichen von Danzig. Dabei handelt es sich um ein Stadttor das zudem einen Kranfunktion hat oder hatte und als Hebewerk diente (daher der Name- Kran(ich)tor). Der heutige Krantor wurde nach den Plänen von Stanislaw Bodinski 1957-1959 rekonstruiert, nach dem es 1945 niedergebrannt war. Dabei handelt es sich nicht um “den” Krantor, welcher bereits in Jahre 1363 errichtet wurde,. Der ist auch einem Feuer um 1442 zum Opfer gefallen und ist vollkommen niedergebrannt. 1444 wurde es neu errichtet, in der Form wie sie heute steht. Heute beherbergt der Krantor einen Teil der Schiffsfahrtmuseum und gilt auch als einer der ältersten Hebevorrichtungen dieser Art in (ehemals) deutschem Raum.

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Ein schöner Platz ist zudem auch der langer Markt. Durch das grüner Tor, das gleich neben der Krantor steht gelangt man zu dem Platz, der seit dem 17.Jahrhundert besteht und von den wohlhabenden Bürger Danzig bewohnt wurde.

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Da Danzig gleich am Ostsee liegt, lohnt es sich auf jeden Fall auch mal den Strand mit den weissen Steg zu besuchen. Dafür muss man lediglich 5km Weg auf sich nehmen, den man ganz bequem mit dem Tram, oder aber auch ganz gut zu Fuss zurück legen kann.

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achter Eintrag

Als Bullvan am nächsten Tag sich von mir verabschiedete, war es gerade 7 Uhr morgens und ich lag immer noch total verkatert auf dem Couch. Es war Donnerstag, klar war er dann schon auf den Beinen, denn es war ein normaler Arbeitstag für ihn. Obwohl wir nach meinen Geschmack eine hart durchzechte Nacht hinter uns hatten, schien er total fit zu sein. In Nachhinein verstehe ich nun, was ein Bekannter von ihm letztens mir erzählte. Ein normaler Mensch wird ab 4 Promille langsam in den Bereich des Konsums gelangen, bei dem das Ende ziemlich übel ausgehen könnte. Bei den Polen scheint die diese Grenze höher gesetzt zu sein. Letztens wurde bei einem Mann, der von einem Auto angefahren wurde, sogar 12 Promille gemessen. Nicht dass der Wert meine Vorstellungskraft übersteigt, der Mann überlebte sogar beides. Hierzulande macht man Witze darüber, dass ein Pole ohne einen Mindestpegel an Alkohol im Alltag gar nicht richtig funktioniert, was eigentlich nicht lustig ist, da Polen wirklich ein Problem mit den vielen resistenten Trinkern hat.

Später (viel später) machte ich mich auch langsam bereit um zur abgemachten Treffpunkt ausserhalb der Stadt für die Fahrt nach Danzig zu gelangen. Zwar hatte ich genügend viel Zeit eingerechnet um mindestens eine halbe Stunde vorher dort zu sein. Ich wollte vor der Abfahrt in einem Supermarkt noch mein Mittagessen besorgen. Irgendwie hatte ich die Distanz schwer Unterschätzt und musste gegen Ende auch noch einen Spurt hinlegen. Mit 23 Kg Gepäck auf meinen Schultern eine Herausforderung für meinen Körper. Letztendlich schaffte ich es noch 5 Minuten vor der Zeit anzukommen. Arhur, der Typ bei dem ich eben diese Mitfahrgelegenheit über blablacar.com bekommen habe, erlaubte mir zum Glück kurz in den Supermarkt zu gehen um meine Besorgungen zu erledigen. Seine Freundin war auch dabei und zusammen sind sie nach Danzig unterwegs um einer Familienwiederkunft beizuwohnen. Arthur war zwar nicht sonderlich gesprächig aber dafür hatte er einen guten Musikgeschmack. Das verleitete mich dazu beim Lied “Wonderwall” lauthals Mitzusingen. Bald darauf war auch Arthur dabei und daraus entstand eine lustige Fahrt nach Danzig. Gegen 11 Uhr in der Nacht erreichten wir schlussendlich Danzig. Arthur lud mich beim Bahnhof aus und ich gab ihn noch die abgemachte Entschädigung für die Fahrt. Als ich dem wegfahrenden Auto noch nachwinkte, kam mir in den Sinn, dass er mich besser Ausserhalb Danzig hätte ausladen sollen. Da ich keine Bleibe über Couchsurfing gefunden habe, und auch keine Übernachtung in einem Hostel reserviert und gebucht habe, hätte ich wenigstens draussen ein Platz für mein Zelt gefunden. Zwar befand sich ein kleiner Park neben der Bahnhof, ich wollte aber keine Probleme mit der Polizei haben. Auf jeden Fall noch nicht jetzt. Also versuchte ich mein Glück in der Altstadt und es dauerte nicht lange, da fand ich auch schon ein Hostel, “Midtown Hostel” hiess es. Die Rezeption war 24h besetzt und einen Bett hatten sie auch noch für mich. Das Beste an Ganzem aber war der gratis Frühstück, den sie hier offerierten und mit “Essen” kann man mich sehr glücklich machen, vorallem wenn es gratis ist. Zur Sicherheit fragte ich beim Student an der Rezeption nochmals nach ob das Frühstück auch wirklich “gratis” sei. Als er meine Frage bejahte, war ich der Rest der Zeit, bis ich ins Bett ging, sehr zufrieden. Sogar auch dann, als ich noch einen Eintrag für euch zu Ende schreiben musste.
Das Frühstück war ein kleines Buffet, ausgestattet mit Toast, Salami, Schinken und Käse. Marmelade und Nutella gab es zwar auch aber das interessierte mich nicht. Ich ass für mindestens drei Tage bevor ich zum Meer aufbrach. Man weiss ja nie, wann man das nächste Mal wieder etwas Gratis zu essen bekommt. Der Marsch dorthin wurde mit einen schönen Wetter und blauen Himmel untermalt. Eine brennende, strahlende Sonne, die mein Kopf zum glühen brachte, was in mir einerseits Freude weckte aber mich auch unheimkich träge machte, da ich bei diesen Umständen immer die Lust verliere mich zu bewegen. Irgendwie schaffte ich es zum Ziel trotz der Hitze und wurde dafür mit einer schöner Ausblick belohnt.

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Der Strand war sehr belebt, jedoch konnte ich keinen im Wasser entdecken, was bei mir die Frage aufwarf, warum bei dieser schönen Wetter im Moment niemand eine kleine Abkühlung genoss. Ich bekam die Antwort selber zu spüren als ich mein Fuss ins Wasser steckte. Kein Wunder, das Wasser war eiskalt! Da meine Handlung von vielen Leuten aufmerksam mitverfolgt wurde, tat ich so als würde ich diese Abkühlung geniessen und ging dabei noch tiefer ins Wasser, bis an die Hüfte. Danach verharrte ich dort eine Weile in einer heroischer Pose, den Horizont erblickend und füllte mich wie in einem Film. Allerdings bald schon ging ich wieder ans Land, da die Beine anfingen zu brennen.
So verbrachte ich anschliessend einige Tage am Strand und arbeitete an einer gleichmässiger Bräune meines Körpers während ich das Wetter genoss. Das Zelt hatte ich in unmittelbarer Nähe aufgebaut, im Park, der den Strand sozusagen umschliesst. Der Park war in der Tat so gut erschlossen, dass man nirgends einen Platz finden konnte, das genug Abstand zu den Wegen hat, um neugierige Blicke zuvermeiden. Auch fehlte es an niedriges Gebüsch hinter dem man sich gut verstecken kann. Es wäre zu Aufwendig das Zelt jeweils jeden morgen abzubauen, nur um am Abend es dann wieder aufbauen zu müssen. Deshalb habe ich es so gemacht, dass ich früh morgens die Mittelstange herausgenommen habe, das ganze anschliessend mit Laub und Äste verdecken. Obwohl ich am Strand öfters um meine Sachen sorgen machte, war tatsächlich nie etwas abhanden gekommen. Es war einfach zu gut getarnt. Am Abend dann, sobald auch der letzte Jogger seine Runden gedreht hat, setzte ich die Mittelstange wieder ein und erhielt so mein Schlafplatz wieder zurück.

Nach vier Tagen am Strand bewegte ich mich wieder Richtung Stadt zurück. Ich wollte noch einen Tag in der Stadt verbringen, es anschauen für den einen Challenge hauptsächlich.

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Als auch dies erledigt war, hiess es wieder zurück auf die ursprüngliche Route zu gehen, Richtung Suwalki. Bevor ich wieder zu Fuss meine Reise fortsetze, wollte ich noch eine gewisse Strecke per Anhalter zurück legen. Ohne blablacar.com benötigte ich einen ganzen Tag um nach Elk zu gelangen.

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Es war noch ein gutes Stück bis nach Suwalki, darum lief auch in der Nacht durch. In Suwalki habe ich nämlich wieder einmal einen Unterkunft über Couchsurfing gefunden, deshalb war ich ein wenig unter Zeitdruck, da ich die abgemachte Zeitpunkt nicht verpassen möchte.

Während dieser Strecke begegnete ich eine besondere Person. Von ihm möchte ich aber im nächsten Beitrag erzählen.

Warschau/Challenge

Von allen grossen Städten in Osteuropa ist Warzsawa (deutsch: Warschau) mit Abstand die modernste. Keine Stadt des alten sowjetischen Reiches hat in den letzten 20 Jahren eine solche Wandlung erlebt wie der Hauptstadt Polens. Der Ort, wo neue Trends sofort aufgesogen und auch selbständig weiterentwickelt wird. Kulinarisch findet man hier chinesisch, italienisch gleich um die Ecke, also alles was das Herz begehrt, was in Osteuropa eigentlich unüblich ist. Im Zentrum stehen modernste Wolkenkratzer und allgegenwärtige Spuren der Vergangenheit. Damit ist unter anderem der Kulturpalast (pol. Palac Kultury i Nautik) gemeint, der umringt von anderen Wolkenkratzern in der Nähe des Hauptbahnhofes steht. Ein zwischen 1952 und 1955 erbauter Prestigeobjekt im Baustil des sozialistischen Klassizismus, das manch Gemüter der Bewohner Warschaus anregt und bei dem auch eine interessante Sage zu dessen Entstehung gibt. Der Sage nach, wollte die damalige sowjetische Regierung in Moskau den Bürger ein Geschenk als Zeichen der Anerkennung für ihre Bestreben beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg machen. Dazu hatten die Bürger anscheinend folgende zwei Optionen zur Auswahl: eine U-Bahn oder eben dieser Kulturpalast. Und ausgerechnet den für Wolkenkratzer haben sie sich entschieden, dass auch wie ein Zeichen der Unterdrückung für sie darstellt und unübersehbar ist. Fakt ist auf Jedenfall, dass der Kulturpalast ein Geschenk der damaligen Sowjetunion war, und die Bewohner sich etwas praktischeres gewünscht hatten. Mit neueren Wolkenkratzer versuchte man den Kulturpalast etwas in den Hintergrund zudrängen, was aber an seiner Höhe (231m) und seines Baustils unmöglich ist. Das höchste Gebäude Polens beherbergt heute viele verschiedene Läden und eine Museum für Technologie.

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Wenn man Warschau für einen grauen Stadt hält, der täuscht sich. Tatsächlich besteht 25% der Stadtfläche aus Grünanlagen und reinster Natur. Der Besuch der Parks halte ich für ein Pflichtprogramm, insbesondere der Lazienki Park. Mit 80ha der grösste Park in Warschau, findet man in Lazienki Park viele wunderschöne Bauten mit viel Abwechslung, so dass man sich stundenlang darin aufhalten kann.

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Unteranderem befindet sich dort das 1926 aufgestellte Chopin Denkmal im Rosengarten, wo man auf den Bänken einen Rast halten und einfach die Natur geniessen kann. Tierfreunde kommen auch auf ihre Kosten in dieser Park. Zahme Eichhörnchen und Enten gibt es reichlich, die einem das Futter direkt aus der Hand fressen.

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Weiter nördlich befindet sich der Altstadt Polens. Der Sigismundsäule auf der Schlossplatz ist wie der Startpunkt und Eingang zur Altstadt.

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Läuft man durch die engen Gassen, würde man nicht erahnen, dass die Gebäude nicht mehr als ein halbes Jahrhundert alt sind. Nach den 2.Weltkrieg 1944 war die Stare Miasto (Altstadt) vollkommen zerstört. Nur zwei Gebäude blieben erhalten. Der Wiederaufbau dauerte grösstenteils bis 1988, bei dem der Königspalast, die unzählige Gebäude in Stil des Barocks und ein Teil der Stadtmauer rekonstruiert wurde. Die Kathedralen wie der StJohann Kathedrale benötigten mehr Zeit, bis zu ihrer Fertigstellung. Die wichtigste Grundlagen für den Wiederaufbau, waren die zahlreiche Gemälde von Bernando Bellotto, ein Maler am polnischen Königshaus im 18.Jahrhundert, der die Altstadt in eben diese Gemälden festgehalten hat.

siebter Eintrag

Am Karfreitag machte ich mich bereit für den grossen Marsch nach Warzawa, eine 381 km weite Strecke, den es zu überwinden galt. Durch meine bisherigen Erfahrungen, die ich während meiner Reise gemacht habe, wusste ich, dass ich maximal 5 Tage durchlaufen kann. Danach würde ich für mindestens eine Woche flach liegen. Die einzige logische Route für meine Reise war die Hauptstrasse von Krakow nach Warzsawa. Ich konnte auch wieder Abseits der Strassen und Querfeld wandern, würde aber nicht vom Fleck kommen (da spricht auch wieder die Erfahrung). Die Strasse entpuppte sich dann als ziemlich rau und gefährlich. Ständig den Abgas und den Gefahr ausgesetzt, überfahren zu werden( lief sozusagen auf dem Pannenstreifen), lief ich beim ersten Durchgang gleich 26 Stunden. Wie das durchgehalten habe? Nun dazu braucht es immer ein wenig Motivation und am besten hilft da Musik dabei. Für solchen Fälle habe ich eine Playlist zusammen gestellt, mit deftigen Songs wie etwa “Rollin'” von Limp Bizkit oder “Papercut” von Linkin Park. In letzter Zeit höre ich übrigens auch gerne “Ego” von Müslüm. In dieser 26 Stunden, bei dem ich etwa 55 km zurücklegte, konnte ich vielerlei Dinge aus dem Alltag der Polen beobachten. Immer wieder kam ich an Autoersatzteil-Lagern vorbei, das mich ständig an Klischees der Polen erinnerte, die ihr wahrscheinlich auch kennt. Diese Lagern waren ziemlich gut ausgestattet, für fast alles haben sie ein Ersatzteil bereit. Man würde meinen, dass das alles von gestohlenen Fahrzeuge stammen würde, tatsächlich werden aber demolierte Autos von überall her gekauft, nach Polen
transportiert und je nachdem wieder repariert oder einfach auseinander genommen. Dawid aus Suwalki fuhr zum Beispiel ein Occasion Alfa Romeo, den er für 500 Euro wieder auf Vordermann gebracht hat.

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Es war ziemlich praktisch, dass es auf dem Weg nach Warzsawa so viele Häuser gab, die verlassen sind oder aus welchen Grund auch immer nicht fertig gebaut wurden. Dadurch war ich nicht genötigt worden, jeweils am Abend mein Zelt aufzubauen, was ich als fauler Mensch natürlich sehr begrüsste. Zwar wurden üblicherweise alle Eingänge der Häuser mit Brettern verriegelt, dennoch konnte man ab und zu welche finden, bei denen die Brettern wieder entfernt wurden. Beim Betreten dieser Häuser kam mir immer ein Schauder über den Rücken. Ich betrat die Häuser nicht vor Dämmerung um Scherereien mit der Polizei zu vermeiden, also war es in den Häuser immer dunkel und diffus, was wie der Anfang einer schlechten Horrorfilm sein könnte. Offene Häuser heisst aber auch, dass schon vorher Personen Zutritt darin verschafft haben (irgendwer muss ja die Bretter entfernt haben), so war es drinnen nicht selten zugemüllt und roch wie in einer öffentlichen Toilette. Mit einer gewissen Paranoia hinter mir durchsuchte ich zu Beginn immer das ganze Haus um sicherzugehen, dass ich alleine im Haus war. Zum Glück überraschte mich keiner hinter einer Ecke sonst wäre ich zu Tode erschrocken. Das beängstige Gefühl nach der Durchsuchung war aber nicht besser. Das liess mich ziemlich schlecht schlafen und bei jeglicher Geräusch aufschrecken. In der ersten Nacht richtete ich mich so ein, dass ich den Eingang des Raumes im Blick habe. Der dunkle Eingang war aber ein unwillkommener “Tor” für meine verrückten Phantasien wortwörtlich. Ich stellte mir ständig vor wie das das Mädchen mit den schwarzen Haaren auf dem Film “The Ring” plötzlich wie aus dem Nichts im dunkeln auftaucht und anschliessen langsam durch den Eingang auf mich zu schreitet. In den folgenden Nächten habe nur noch ich stets den Wand angestarrt, was aber nicht beruhigender war.

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Auch sind mir oft kopftuchtragende Grossmütter und Mützentragende Grossväter mit Schnauz und deren Familienangehörige entgegengekommen, die mit unmengen Blumen Richtung Friedhöfe unterwegs waren. Ich kann nicht sagen, ob es Tradition oder einfach wegen Ostern ist, aber der Friedhof war voller Leben und bunt geschmückt als ich an ihnen vorbei lief. Ganz anders als bei uns auf, wo alles diskret ist (Beschmückung und der Besuch an sich) waren die Gräber mit Blumen überladen und auch die ganze Sippe war jeweils anwesend, so hatte ich das Gefühl. Es erinnerte mich daran, dass ich die Gräber meiner Eltern seit Jahren nicht mehr besucht habe, was ich im Moment ziemlich bedaure.

Die fünf Tagen gingen nur schleppernd vorbei und verliefen eigentlich fast ereignislos ausser dass ich fast einmal von einem Auto überfahren wurde. Je mehr man Richtung Osten geht, desto aggressiver wird der Fahrstil der Leute. So wurde eingeführt, dass ein Fahrzeug auf die Pannenstreife ausweicht, damit die hinteren Fahrzeuge, die manchmal mit 150 km/h unterwegs sind nicht auf die dichtbefahrene Gegenfahrbahn wechseln muss um überholen zu können. Da ich stets auf der Gegenseite lief um allfällige Gefahren von vorne frühzeitig erkennen kann, konnte ich noch rechtzeitig von der Strasse runter als ich sah, wie ein Auto hinter einem Lastwagen auf der Pannenstrecke wechselte. Nun, ich habe genügend Zeit um von der Strasse zu kommen, musste also nicht “hechten”, was ziemlich filmreif wäre. Ich habe übrigens später herausgefunden, dass es eigentlich verboten ist ausserorts auf den Hauptstrassen zu Fuss unterwegs zu sein ohne eine Leuchtweste zu tragen. Wenn ich so darüber nachdenke, ein Wunder dass ich nicht dort schon ins Gefängnis gelandet bin aber nur wegen meinen Terroristenbart natürlich.
Nach 220 km ging mir schlussendlich die Puste aus. Die Beine und Rücken waren dermassen geschunden, dass ich fast nur nochkriechend zur nächsten Bushaltestelle gelangte. Irgendwie schaffte ich nicht eine Mitfahrgelegenheit per Anhalter zu finden (lag es an meinem Bart?), so blieb mir nur die öffentliche Verkehrsnetz übrig. Das traurige an der Sache ist, dass ich mit dem Bus 50 km zurückfahren musste, um auf ein Zug umsteigen zu können, der nach Warzsawa fuhr. Ich hatte somit ein Tag sinnlos mit laufen vergeudet.

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Die Freude war gross als ich auf dem Zug in Warschau aussteigte und draussen die imposanten Hochhäuser erblickte. Als nächstes musste ich ein Hostel finden für die nächsten zwei Nächte. Zwar habe ich ein Host bei Couchsurfing gefunden, habe erst in zwei Tagen mit ihm abgemacht. Nach einer langer Suche durch die Stadt, fand ich in Mish Mash Hostel endlich ein Bett. Zunächst musste ich mit der hübschen Repzeptionistin ein paar Fotos machen, bevor ich endlich wieder einmal duschen gehen konnte. Sie trifft nicht häufig auf Personen, die so unterwegs sind, daher wollte sie noch ein paar Fotos als Erinnerung an mich haben. Ich fragte sie anschliessend, ob sie mir eine Massagesalon empfehlen könnte , die mich wieder zurecht kneten könnte. Sie konnte mir nicht weiterhelfen also nutzte ich die gleich Gelegenheit und fragte , ob nicht sie mich vielleicht massieren könnte? Ich wurde darauf sehr herzlich zurückgewissen, mit der Begründung (seit dem Militär mag ich das Wort), dass sie es nicht so drauf habe. Ich hackte nach und sagte, dass es keine Massage with “Happy End” sein müsste woraufhin wir beide nur lachten und die Sache dann so stehen liessen. Eine Massage bekam ich nicht, dabei war meine Initiative und “Anmachsprüche so gut, dachte ich zumindest. Dafür aber einen ganzen Tag im Bett liegen und wieder einmal seit langem Animes gucken. Auch nicht schlecht muss ich sagen.

Bevor ich mich mit Bullvan, meinen Host, treffen konnte, hatte ich den ganzen Tag Zeit die Stadt ein wenig zu erkunden. Bullvan wohnt in der Altstadt, was weiter nördlich lag und es gab eine Menge Orte in Zentrum, die ich besichtigen wollte. Die meiste Zeit verbrachte ich in den verschiedenen Parken, in denen unteranderem auch polnische Persönlichkeiten geehrt werden, unter anderem auch der Komponist Chopin. Es gab auch viele niedliche Tiere in den Parks, die sehr zutraulich sind. Mit einer Ente musste ich gleich ein “Selfie” machen, der wie “der Boss” posierte, als wäre es nichts neues für ihn.

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Gegen Mittag erreichte ich die Altstadt, wo ich auf einer Bank erst einmal ein Rast machen musste. Mit meinem Gepäck ziehe ich häufig Blicke von neugierigen Menschen auf mich und nicht selten sprechen sie mich deswegen auch an. So war es bei dem Herr der neben mir sass. Als er erfuhr, dass ich aus der Schweiz bin und deutsch spreche, wechselte er auch gleich auf deutsch. So machte ich Bekanntschaft mit Darius, einem Obdachlosen in Warschau. Ich fragte ihn gleich wo er deutsch gelernt hatte und er begann von seinen jungen Jahren zu erzählten. Als er 20 Jahre war in 1978, packte ihn die Reise- und Abenteuerlust und er reiste nach Österreich. Damals illegal, da zu dieser Zeit der Kaltekrieg herrschte und die “Mauer” West”und “Ost” immer noch trennte. Irgendwie per Anhalter und versteckt erreichte er Österreich,wo er anschliessend 7 Jahre lang blieb, deutsch lernte und viele unglaubliche Erlebnisse machen konnte. Im Verlauf des Gespräches fragte er mich ob ich nicht 20 Zlotis (ca 5 Euro) borgen könnte, damit er und sein Freund Mattes sich eine heisse Suppe kaufen können. Sie hatten seit Wochen nichts mehr warmes gegessen. Ich erwiderte, dass ich ihnen kein Geld geben werde, aber zu dieser Suppe einladen werde, da mein Hunger sich auch langsam meldete. Ihre Augen begannen zu strahlen und wir machten uns auf zu einer “Milchbar”, ein Überbleibsel aus der sowjetischen Zeit wo man zu günstigen Preisen lokale Gerichten erhält (dazu dann mehr bei Warschau/Challenge). Da Darius an Krücken ging, musste ich mich fest zusammenreissen, normal zulaufen obwohl mein Körper immer noch schmerzte. Dort angekommen gab es die Suppe “” eine Senfsuppe mit Wurststücken und Brot, das sehr lecker war.
Versteht meine Handlung hier bitte nicht falsch. Ich lud sie nicht aus Mitleid ein, sondern vertrete die Meinung, dass die, die mehr zum Leben haben auch was denen geben können, die wenig oder gar nichts haben. Das Leben den man lebt ist schlussendlich das Resultat von Entscheidungen, die man getroffen hat. Und seine Entscheidungen führte dazu, dass Darius nun auf der Strasse lebt (obwohl er ziemlich gepflegt aussah). Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Bei unseren Abschied holte Darius noch sein Portemonnaie hervor und zeigte noch ein Bild von seinem Sohn, den er seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat. Danach nahm er daraus einen Amulett hervor mit einem Papst darauf (Polen ist stock katholisch) und überreichte ihn mir. Ich erinnere ihn als er noch jung war und dieser Amulett soll mich auf meiner folgenden Reisen beschützen so wie es ihn beschützt hatte. Ich soll ihn stets auf dem Herzen tragen und alles wird gut kommen. Diese Geste berührte mich zutiefst und wird als eine Erinnerung bleiben, an dem ich mich noch in 50 Jahren erinnern werde. Obwohl wir eigentlich Fremde sind, die kurz auf dem Weg aufeinander gestossen sind, gab er mir das wenige, dass er noch hat und auch einen persönlichen Wert für ihn hat, einfach so.

Am 19 Uhr war es dann endlich soweit, Bulvan erschien beim verabredeten Treffpunkt: die Sigmundsäule. Zu Beginn gab es eine ungezwungene brüderliche Umarmung, danach führte er mich in seiner Wohnung, das direkt gegenüber der Königspalast liegt. Dort wartete auch schon seine Freundin Dominika auf uns, von der ich auch schon eine Video hochgeladen habe. Es kommt ziemlich häufig vor, dass ich Doppelgänger von Leuten treffe, die ich kenne. So sah Bullvan mein Schwager Thomas zum verwechseln ähnlich aus. Zusammen hatten wir an diesem Abend lustige und interessante Unterhaltungen und tauschten viele Erlebnisse aus diversen Reisen aus. Das ist wie ich mir Couchsurfing vorgestellt habe! Das mit Igor kennt ihr ja. Hier machte ich mich auch mit polnischen Wodka Bekanntschaft, das mir bis dahin völlig unbekannt war. Es war ziemlich zähflüssig und schmeckte köstlich. Es lag daran, dass der Wodka direkt aus dem Geschmackszutat hergestellt wird, in diesem Fall aus Birne und nicht wie herkömmliche Wodka, bei dem chemisch noch die Geschmack hinzugeführt wird aber trotzdem noch wie weisser Wodka schmeckt. Ich muss es mir unbedingt merken. Vielleicht kann meine Schwester irgendwann mal leckere Desserts damit machen, was in dieser Art und Weise in der Schweiz sicher bahnbrechend wäre. Kostet übrigens 10 Euro so nebenbei.
Als ich erfuhr, dass Dominika eine ziemlich gute Violinistin (hat schon Aufträge in Dubai bekommen) und häufig als Strassenmusikerin unterwegs ist, schloss ich mich spontan ihr an und begleitete sie ab und zu mit meiner Ukulele. Für mich war das ein Heiden Spass (konnte “I’m yours” oder “Somewhere over the Rainbow” zum Besten geben), sie allerdings konnte nicht wie üblich mit Verstärker auftreten da mein Ukulele nicht verstärkt ist und somit auch weniger einnehmen. Ich war total begeistert von ihr (als Musiker natürlich), ich meine sie macht das schon seit 10 Jahren und sie ist etwa so alt wie ich! #wiegeilischdasdenn(mein Hashtag auf instagram)!! Irgendwie habe ich mich davon hinreissen lassen und versprach ihr mit diesen Worten :” I’m gonna make you f*cking famous in Switzerland”, sie in der Schweiz bekannt zu machen. Klar ist: Falls “Behind the Lead” mal Fuss gefasst hat im Musikgeschäft und wir eine Violine brauchen, wäre sie die erste Wahl. Sie ist sozusagen Lindsey Stirling des Ostens. Aber genug von ihr gesprochen. Als ich Bullvan fragte, welche schöne Orte es in Polen noch gibt, kamen wir irgendwann auf Danzig. Dadurch war es gleich entschieden wohin ich als nächsten hingehen will. Dank einer Seite namens BlaBlacar, bei dem man eine Mitfahrgelegenheit zu günstigen preisen finden kann, fand ich auch gleich jemand der mich direkt dorthin mitnimmt.
Der letzte Abend bei Bullvan war “legendär. Das coole an Bullvan ist, dass seine Wohnung für alle stets offen ist. So ist es nicht selten, dass seine Freunde einfach so vorbeikommen, was häufig in einer Homeparty endet. Auch an diesem Abend kamen einige vorbei. Wir bestellten uns Pizza, tranken Wodka nach polnische Tradition d.h es gibt nur ein Glas und bevor man es trinken darf, muss man einen nächsten finden der auch ein Glas möchte. Das ganze Treiben in der Wohnung währte nicht lange, denn schon bald beschwerten sich die Nachbarn telefonisch bei Bullvan wegen der Lärm, was dazu führte, dass wir auf die Strasse gingen. Dominiks wollte sowieso noch ein wenig Musik machen.

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Im Verlaufe des Abend kam tatsächlich ein Freund von Dominika zu mir, Arthur hiess er, und meinte, er wolle mitkommen auf meiner Reise. Obwohl ich überrascht war nach dieser Bekanntmachung, freute ich mich innerlich, fragte aber zur Sicherheit nach, ob das ernst gemeint wäre und nicht aus einer guter Laune heraus beschlossen worden wäre (Schnappsidee, kenn ich zu gut). Denn am nächsten Tag würde ich weiter nach Danzig reisen, was für ihn vielleicht zu kurzfristig sein könnte. Er blieb aber bei seinen Entschluss, also tauschten wir unsere Nummern aus, mit der Begründung, dass er sich am nächsten Morgen sich bei mir melden soll, wenn immer noch mitkommen will.

Die Nachricht kam aber nie (vielleicht hat er verschlafen) und ich konnte mir dadurch leider kein Gefährte für die Reise gewinnen. Der “Ring” muss aber immer noch zerstört werden, also machte ich mich alleine nach Danzig auf.

sechster Eintrag

Als gewissenhafter Person mit schweizerische Ambitionen versuche ich täglich so günstig wie möglich einzukaufen. Wir sind ja ein sparsames Volk. Mit meinen Tagesbudget von 10 Euro staunte ich trotzdem nicht schlecht, als ich in Krakau mein Einkaufsdebut hatte. Ich besuchte den Supermarkt “biedronka” (deutsch: Marienkäfer), und hielt dort ungläubig 1kg “Wienerli” für ca, 1.5 Euro in meinen Händen. Wie abgefahren ist das denn? Insgesamt trug ich schlussendlich mit einen zufriedenen Lächeln einen Einkauf von ca. 6 Euro zurück ins Hostel, der mindestens für eine Woche reichen wird. Die Qualität der Lebensmittel lässt leider etwas zu wünschen übrig. Die Würstchen sind mit einer Plastik ähnlicher Haut umwickelt, die ich bei meiner ersten Mahlzeit noch nicht abgenommen habe. Die Folge daraus war eine zähe Angelegenheit mit einer anschliessenden mühsamen Auseinander nehmen der Sandwiches. Die Chinesin, die eine Zimmer nebendran eingecheckt hatte, war sichtlich schockiert über das Chaos in der Küche, den sie erblickte. Apropos das erste Treffen mit ihr war, als sie mich inflaganti beim meinem “Geschäft” verrichten auf der Toilette erwischte. Ich vergass dummerweise die Tür abzuschliessen, was zu dieser peinlichen Begegnung führte (für sie). Ich fragte mich während meines Aufenthaltes in diesem Hostels, was sie nach dieser Geschehnisse von mir hielt. Ich muss sicher eine schreckliche und chaotische Person für sie sein.

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Die Sandwiches 2.0 waren übrigens ein Erfolg, trotzdem machte ich mir Sorgen, dass der Plastikhaut, den ich schon gegessen habe, mir den Magen verderben könnte. Dieses komische Gefühl im Bauch stellte sich aber später zum Glück als unbegründet dar. Bald schon gesellten sich meine Zimmergenossen hinzu. Der Erste war ein Afrikaner. Ich schäme mich noch dafür, das sich ein Misstrauen in mir aufkam als ich ihn zu zum ersten Mal erblickte, den ich überlegte mir schon, wo ich meine Wertsachen verstecken soll. David war aber ein total angenehmer Typ, aufgestellt, lustig und arbeitet in Krakau als Touristenführer. Aktuell war er gezwungen im Hostel zu leben, da er noch nicht in der neue Wohnung einziehen konnte. Wir freundeten uns anschliessend sehr schnell an und gingen auch mal was zusammen trinken am Abend. In den ersten Gespräch warnte er mich schon von einen anderen Zimmergenossen, der so schläft “Like a lion”. Ich meinte aber, dass ich im Militär an schon einiges gewöhnt wäre und dass ein”wenig” schnarchen mir nichts ausmachen würde. Ach wie sehr habe ich mich da getäuscht oder auch überschätzt! Dieser besagte Person, kam so gegen 3 Uhr morgens zurück und machte beim Umziehen viel Lärm, so das ich zwangshalber aufwachte. Und als er sich schlafen legte und tatsächlich wenig später anfing zu schnarchen, fing bei mir die schlimmste Nacht an, den ich bisher während meiner Reise erlebt habe. Ach du meine Güte! Es war so, als würde man wirklich neben einer brüllender Löwe liegen. Ich konnte das alles nicht nicht fassen und musste erst einmal das Ereignis mit der Tonaufnahme einfangen. Mein Bettnachbar Salvatore, ein Erasmus- Student aus Sizilien, der noch die Hoffnung an “Humanity” nicht verloren hat, fing an neben mir auf italienisch zu Fluchen. “Now it starts again, the lion is awakening”, grinste David zu mir rüber(man sah nur seine Zähne), was ich aber überhaupt nicht lustig fand. Als ich es nicht mehr aushielt- es war überhaupt nicht gleichmässig und unnatürlich laut- ergriff ich mein Schlafsack und flüchtete in die Küche. Ich hoffte dadurch wenigstens noch 2 Stunden Schlaf zu kriegen. Aber schön wärs. Eine halbe Stunde weckte mich Rezeptionistin auf fragte wunderlich, was ich denn hier mache. “Obviously, I’m trying to sleep”, fuhr ich sie ein wenig an worauf sie daraufhin keine Antwort mehr hatte. So lies sie mich gewähren, aber die Müdigkeit war verflogen obwohl ich fix und fertig war. Einschlafen konnte ich nicht mehr, also gab ich es auf und machte mich widerwillig für den Tag bereit. In Verlauf der Woche konnten wir im Zimmer aber nur darüber lachen. Die anderen amüsierten sich prächtig über meiner Aktion in der ersten Nacht und “the lion” wurde daraufhin sozusagen zu unserer “Running gag”.

Die Tage verbrachte ich damit, die Stadt und die Umgebung zu erkunden für den Challenge und natürlich auch um meine Kleider zu waschen. Dafür gibt es in der Stadt diverse kleine Waschsalon, wo man zu günstigen Preisen eigenständig seine Kleider waschen kann. Um Kosten zu sparen, machte ich etwas, was ich als den grössten Fehler meines Lebens bezeichnen würde. Ich habe nämlich alle meine Kleidungsstücke in einer Waschmaschine gewaschen. Zwei kleine wichtige Details beim Waschprozess liessen nämlich meine weissen Socken und grauen Pullover “grün werden. Der erste Detail zu Beginn war, dass ich meinen grünen Schal (Made in China) spontan auch gleich in die Maschine stopfte, damit sie auch mal gewaschen wird. Der zweite Detail war, wie ich schon erwähnt habe, dass alles in einer Maschine gewaschen habe und die weissen Kleidungsstücke nicht separiert habe. Ich habe anschliessend realisiert, dass diese Handlung fahrlässig war und nichts mit Sparsamkeit zu tun hatte, sondern nur mit geiz. Schlechtes Karma kriegt man im Leben halt schnell zu spüren oder (zwinker)? Und was habe ich aus dieser Sache gelernt: traue nie Produkten aus China.

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Wusstet ihr, dass wenn man Salat einfriert, dessen ganzen Zellstruktur zerstört wird, so dass wenn man ihn wieder auftaut der einfach matschig ist? Kein schöner Anblick muss ich euch sagen, war aber auch nicht mein Fehler. Als ich am zweiten Tag für mich wieder Sandwiches zubereiten wollte, war der Kopfsalat einfach eingefroren. Irgend so ein Idiot, hat die Temperatur des Kühlschrank auf unter Null Grad runtergesetzt. Ich dachte zuerst nichts dabei, und taute den Kopfsalat mit fliessendem Wasser einfach wieder auf, ganz pragmatisch halt. Ich musste aber dabei zusehen wie das Ganze in meinen Händen zu einem matschigen Klumpen entwickelte. Da konnte ich leider nichts mehr für den Kopfsalat tun. Richtig missbraucht wurde er, für einen interessanten unfreiwilligen Versuch zugegebenermassen. Dabei wollte ich ihn nur essen. Was ich wiederum daraus gelernt habe: Salat kann man nicht einfrieren, Brot schon.

Bevor ich am Karfreitag weiter Richtung Warszawa (Warschau) zog, wollte ich die Chance nutzen, um nach Auschwitz zu gehen. Es gab verschiedene Tagestouren mit einem Führer täglich von Krakau aus, ich war aber bei dem Preis von 120 Ztl ein wenig skeptisch und suchte bei David um Rat. Er bestätigte auch, dass wenn man selber mit dem Zug dorthin hin geht viel günstiger wegkommt, die Fahrt aber länger dauert. Also ging ich am Donnerstag morgen zum Bahnhof, kaufte mir ein Billett für 9.50 Zlt (hin und zurück) und nahm den zweiten Zug am 7:20. In der gleichen Abteilung war ein junger Chinese aus Marseille, der, wie es sich später in Oswiecim ( Auschwitz) heraustellte, auch Unterwegs zur Gedenkstätte/ KZ war. Nachdem der Zug den Endstation erreicht hatte, versammelten sich ein paar Leute sowie der Chinese auch um einen Stadtplan um herauszufinden wo sich der Platz befindet. Ich allerdings habe schon in Krakau ein paar “Screenshots” mit der Wegbeschreibung auf “google map” gemacht, war dementsprechend schon vorbereitet und wartete darauf, bis sich die Masse auch in Bewegung setzen und hoffentlich auch in die falsche Richtung. Als mir diese Sucherei doch zu lange dauerte, ging ich auf sie zu und fragte sie, ob sie auch Unterwegs zur KZ wären. Ich zeigte anschliessend mein “I Phone” und machte ihnen klar, dass ich wusste wohin wir gehen müssen. So wurde die kurzerhand zum Leader der Gruppe, der sie zum Ziel führte. Die Gruppe löste sich aber anschliessend wieder als wir dort ankamen. Übrig blieben nur der Chinese, dessen Namen ich vergessen habe und ich. Nach einer strengen Sicherheitskontrolle, bei dem ich mein “Camelback” (tragbare Wasserbehälter) fast nicht mit rein nehmen durfte. Es besteht die Möglichkeit, die Anlage mit einem Führer zu besichtigen, kostet allerdings 40 Ztl. Wenn man allerdings eigenständig geht, ist es gratis. So entschieden wir uns für das letztere. Ich war der Meinung, dass das, was es dort zusehen gibt keine weitere Erklärungen nötig sind. Wenn wir das Tor mit den bekannten Inschrift “Arbeit macht Frei” durchquerten, wurde es richtig schwer um meinen Herzen. Ein unangenehmes, bedrückendes Gefühl, das mir fast dazu veranlasste auf der Stelle umzukehren und diesen Ort zu verlassen. Wenn man sich überall Zeit lässt um die ganze Anlage zu besichtigen, kann man schon denn ganzen Tag an diesem Ort verbringen, was aber für die Psyche sehr belastend ist. Ich war für etwa 4 Stunden darin unterwegs und das was ich dort sah, machte mich sprachlos.

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Registrierungsbilder von unzähligen Opfern sind jeweils in den Barracken in einer Bilderrahmen, die dich im Flur anstarren. Alle sind an diesem Ort gestorben, in ihren dünnen Häftlingsanzug. An diesem Tag war es unvorstellbar kalt, es fiel sogar Schnee. Es fiel mir schwer diese Leute vorzustellen, die den ganzen Jahr durch nur diesen einen Anzug trugen, zumal ich schon in in meiner Jacke und all die Kleidungsstücke darunter fürchterlich fror. Es ist schwer zu beschreiben, was damals in mir vorging, dazu fehlen mir einfach die Worte. Der Chinese und ich sprachen kein Wort miteinander als wir auf der Gelände waren. Erst als wir endlich mit der Rundgang fertig waren und nach draussen gingen, sagte er lediglich: “I’m speechless”. Wir verabschiedeten uns in Krakau. Ich ging zurück ins Hostel, immer noch mit der Gedanken in Auschwitz und packte meine Sachen für den grossen Marsch nach Warschau noch vor dem Schlaf zusammen.

Krakau/ Challenge

“Wie eine schillernde Stadt, das aus einem Märchenbuch entsprang”, erschien mir Krakau, als ich es am nächsten Tag besichtigte. Sie beherbergt viele schöne Bauwerke der Gotik, der Renaissance, des Barocks und spätere Epoche, die der Stadt einen gewissen charmanten “Touch” verleiht. Noch immer wird dieser Stadt als heimliche Hauptstadt Polens bezeichet- offiziell war Krakau bis 1596 tatsächlich dessen Hauptstadt- und ich bin der Meinung nach auch zurecht. Wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell ein grosser Standort in Mitteleuropa, der stetig am wachsen ist und ein interessanter, aufstrebender Platz für Investoren in Innovationen der Welt ist. Gerade deswegen vielleicht ( bin mir nicht sicher) leben und studieren hier etwa 200’000 Studenten/innen, die jeden Abend, die Stadt unsicher machen. Unter anderem gilt Krakau auch als die grösste Partystadt Polens. Von dem habe ich aber leider nicht all zuviel gesehen.

In Krakau und Umgebung gibt es ein paar bestimmte Orte, die man unbedingt besucht haben muss, zum einen um die Errungenschaften und Taten der Menschen zu bewundern, zum anderen aber auch umgekehrt diese zu bedauern und sich zu ermahnen. Dazu aber kommen wir später.
Ein Ort wäre gleich die Altstadt, die zugleich auch das Zentrum von Krakau ist. Nebst unzählige Kirche und Kathedralen (alles katholisch), sind auch viele nette kleine Cafés, Theaterbühnen und Restaurants dort anzutreffen. Wenn man sich eine Auszeit von der schillernde und märchenhafte Atmosphäre gönnen will, sind diese Lokalen sehr empfehlenswert. In der Mitte der Altstadt befindet sich der Hauptmarkt, dazumal der wichtigste öffentliche Raum und dort wo sich alles,was zum Funktionieren einer Stadt benötigt wird oder auch wurde, befand: Das Rathaus, die St. Marienkirche, die zugleich auch das Wahrzeichen von Krakau ist und natürlich die Tuchenhalle. Gebaut wurde die Tuchenhalle in Auftrag von (Riz)Kasimir “den Grossen” in gotischen Stil, irgendwann im Mittelalter als Hauptausschlagplatz für jeglicher Handel. Die heutige Tuchenhallen entstand erst nach einer Brand in Jahre 1555, als der Italiener Santi Gucci zuerst das Gebäude seinen Entwürfen wiederaufbauen lies, danach Loggien von Giovanni Maria Pavodano hinzugefügt wurde und schlussendlich in den Jahre 1875-1778 der Architekt Tomasz Prylinski das ganze nochmals nach seinen Entwürfen in neoklassischen Stil umgebaut hatte. Dabei entstanden unteranderem in den Obergeschossen Ausstellungsräume, indem auch heute noch die Bilder der polnischen Malerei des 19. Jahrhunderts ausgestellt werden. Heute befindet sich in der Tuchenhalle diverse Theken an denen schöne Souvenirs von Krakau gekauft werden können.

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Die nächste Sehenswürdigkeit ist die Königsschloss auch “Wawel”, gebaut auf einem Hügel aus Kalkstein, die mit Höhlen durchsätt ist. Eine Legende erzählt auch von einer “Drachenhöhle”, bei diesem Hügel, indem einst ein Drache gehaust hatte bis ein Ritter namens Krak kam und ihn durch eine List besiegte. An diesem Platz wurde danach Krakau gegründet, der der Ritter seinen Namen gab. Es ist historisch belegt, das seit der frühen Mittelalter ein Burg auf den Hügel steht, das aber seither stetig erweitert wurde. Daher zeugt das Ganze Bauwerk von einer 1000 Jährige Baugeschichte. Überall sind Elemente der verschiedenen Baustile zu finden: gotische und romanische Türmen, Toren aus dem Barrock oder Renaissance usw. Die Wichtigkeit Krakaus in der polnischen Kultur liegt auch in der Grablege der polnischen Monarchie, die sich auf dieser Gelände befindet. Auch nachdem der Hauptsitz Polens von Krakau nach Warschau gewechselt wurde, sind alle Könige immer noch hier begraben worden. Nebst den Königen fanden auch einige wichtige Persönlichkeiten Polens hier ihre letzten Ruhe.

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Ausserhalb der Altstadt über den Fluss befindet der ehemalige Juden Ghetto der nationalsozialistischen Zeit. Ursprünglich befand sich der Viertel in Kazimerz. Nachdem die deutsche Wehrmacht Krakau bei der Polenfeldzug 1939, mussten die Juden ab 1941 in dieser jüdische Wohnviertel umsiedeln. Nur noch einige Teile der Mauer und die Ghetto-Apotheke sind heute noch erhalten. Die ganze Geschichte kann man in der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler, das heute eine Museum ist, bei einer Ausstellung anschauen und erleben. Oder man schaut sich der Film, “Schindler’s Liste” an. Der Film wurde übrigens nicht in der Juden-Ghetto gefilmt, sondern weiter nördlich in Kazimerz. Weitere Informationen zu dem Schauplatz könnt ihr natürlich auch in dem genannten Film erhalten.
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Wenn wir schon bei dieser Thema angelangt sind: das Konzentrationslager Auschwitz ist nicht weit entfernt von Krakau. Man sollte es aber nicht als eine Touristenattraktion oder Sehenswürdigkeit ansehen. Würde man mit dieser Motivation dorthin gehen, würde der Ort als Gedenkstätte und Mahnmal nicht entsprechend besichtigt und behandelt werden und das finde ich nicht richtig. Meiner Meinung ist zwar Irrenevant, aber trotzdem sollte dieser Ort besucht werden, wenn man schon in Krakau ist. Man sollte mit den eigenen Augen sehen, zu was Menschen fähig sind sobald sie mehr Macht haben als die anderen.

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fünfter Eintrag

Die Nacht in Rosemary Hostel war sehr amüsant, zumal ich sie mit ein paar deutschen Punks verbracht habe. Die zwei Damen aus China, die die gleiche Wohnung geteilt haben, gingen pünktlich ins Bett, sie es sich halt so gehört. Unsere Gespräche waren aber derart laut so das ich fast ein wenig Mitleid mit Ihnen hatte, aber nur fast. Zum Glück konnten sie die Mitteltür schliessen. Am nächsten Tag ging ich gegen Mittag langsam zu meinen Host von Couchsurfing. Dazumal ahnte ich nicht, dass mein Aufenthalt in Prag ganz anders sein wprde als ich es mir zu Beginn vorgestellt habe. Sich in Prag Zurecht zu kommen war am Anfang gar nicht einfach, es ist eine riesige Stadt. So dauerte es nicht lange bis ich mich verlaufen habe. Da wurde ich naiver Trottel auch noch von einem Betrüger-Zigeuner so richtig Verarscht (Ich entschuldige mich dafür, dass ich diesen Ausdruck gebrauche). Ich kann mir noch so lange an den Stirn klatschen, Dummheit tut einfach weh.Er wollte für sein 1000 Kronen (ca. 45 Euro) mit mir wechseln, er musste sein Guthaben für sein Handy aufladen Stets hilfsbereit habe ich ohne darüber nachzudenken mit ihm getauscht, auch wenn es nur 750 Kronen war. Es stellte sich dann später heraus, dass dieser 1000 er eigentlich Rubel von Weissrussland war und überhaupt keinen Wert hat. Ich rege mich noch heute deswegen auf, aber passiert ist passiert und man kann aus solche Erfahrungen nur lernen. Ich werde für die Zukunft meine Hilfsbereitschaft eine Grenze setzen müssen. Ja das habe ich mir vorgenommen.
Nach dieser Vorfall habe ich schlussendlich zum Garry geschafft und ich war ziemlich nervös, den es war meine erste Erfahrung mit Couchsurfing den ich machen werde. Und der erste Eindruck war ziemlich “strange”. Garry oder besser bekannt als Igor mich am Eingang und führte mich in die Wohnung, wo schon fünf andere Couchsurfer anwesend waren. Eine russische Studentin, Christine hiess sie, begrüsste mich auch und fungierte anschliessend als Dolmetscher für Igor, denn wer kann nur Russisch. Ich war aber in dieser Moment in Gedanken vertieft und fragte mir, ob nun alle hier Anwesenden im Laufe des Tages nackt herumlaufen werden. Auf meine Anfrage hat Igor nähmlich folgendes geantwortet: “I will accept, let’s walk naked together to home”. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich gerne nackt bin und freute mich irgendwie auf dieser ungezwungener Freiheit. Und war auch entäuscht als Christine mir erklärte, dass Igor vorbereitete Sätze hat (er kann ja kein Englisch), die er einfach so zusammensetz. Wahrscheinlich weiss er nicht einmal was diese Sätze bedeuten oder benutzt diese um witzig rüberzukommen. Das mit dem nackt herumlaufen war aber auch für Christine neu und sie schaute mich nur ungläubig an. Wir mussten anschliessend lachen, als wir uns das vorstellten.

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Auf jeden Fall war ich überrascht, dass so viele Leute anwesend waren und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie hier alle Platz haben sollen. Die Wohnung war nicht sonderlich gross und Igor, Vitali(ein anderer Russe) und Christine leben ja auch darin. Nachdem Igor wieder seinen Geschäften nachging (hat eine Firma in Moskau, die aber selbständig funktioniert) und Christine sich wieder den Omeletten widmete lernte ich die anderen Gästen kennen. Es waren hauptsächlich Südamerikaner (Argentinien und Uruguay) und mit ihnen machte ich Bekanntschaft mit Maté (keine Ahnung ob es so geschrieben wird), das national Getränk von dort unten. Es wird wie Tee mit heissem Wasser in einem halben Kürbis zubereiten, jedoch mit Tabak gefüllt und mit einem Löffel-ähnliches Trinkrohr zu sich genommen. ich durfte den ersten Zug machen und es war verdammt bitter, musste deswegen heftig husten und erntete dafür viele grinsende Gesichter. Aber ich begann dieses Getränk zu mögen, mehr als Kaffee und konnte bei meinen zweiten Zug besser damit umgehen.

Ein weiterer Gast war Tony aus der Bundesrepublik Deutschland, ein Tramper der für die Woche nach Prag kam um als Strassenmusiker sein Unterhalt hier zu verdienen. Wie cool ist das denn! Das wollte ich unbedingt auch ausprobieren und ging so am Abend mit ihm mit, ausgerüstet mit meiner Ukullele und tonnenweise Bier. Angetrunken war ich auch schon. Igor erfüllt alle Klischees von einem Russen. Es floss haufenweise Vodka bei ihm und man durfte nicht aufhören. Aber er war sehr gastfreundlich und ein sehr fröhlicher und lauter Mensch, der viel spricht und Spass hat mit den Gästen. Er kochte ständig für alle Gäste (hauptsächlich viel Fleisch), die Küche musste aber stets Christine aufräumen. Die Rollen in der Wohnung waren irgendwie klar verteilt. Ich hatte voll Mitleid mit ihr und half ihr stets dabei sowie Tony auch. Wir waren die ersten, die ihr beim Aufräumen geholfen haben seit sie hier ist, meinte sie.
Als wir so am Abend in der Stadt unterwegs waren, hatten wir gute Gespräche und viel Spass dabei. Die Umstände beim Igor war auch ein Thema. Igor scheint ein einsamer Mensch zu sein obwohl er eine Familie hat, die aber getrennt von ihm in Moskau lebt. Deswegen nutzt er Couchsurfing um viele Leute um sich zu haben. Die Zeit, die ich bei ihm verbrachte, war ein ständiges ein und ausgehen von verschiedenen Menschen. Es scheint, dass nicht einmal Igor die Übersicht über das Geschehen hat aber alle Anfragen annimmt. Solange die Wohnung voller Menschen sind, die er kennenlernen und mit ihnen Zeit verbringen kann.

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Die Zeit im Prag war unglaublich. Ich dachte, es wird eine einfache Sightseeing -Tour durch die Stadt den ich machen werde. Dabei konnte ich mich als Strassenmusiker probieren (werde ich weiterverfolgen), besuchte den verrücktesten Club (Cross Club) den ich in meinen Leben je gesehen habe, lernte russische Traditionen und Sprache kennen, trank haufenweise Wodka und Bier, machte einen Homeparty zu dritt als Igor und ein paar andere Gäste in Amsterdam “hängengeblieben” sind (spontaner Wochenendausflug… ehem) und teilte einen Doppelbett mit vier Leuten. Ja es war mir unangenehm, da Igor direkt neben mir lag, nur in Umterhose. Deshalb mache ich eine Nacht resp. Morgenspaziergang durch Prag. Total verkatert und mit Restalkohol im Blut war ich der einzige auf der Strasse. Keine Menschenseele war unterwegs und ich bekam das Gefühl als würde die Stadt einzig mir gehören. So konnte ich alle Sehenswürdigeiten noch einmal besuchen und die waren in der Nacht resp. Morgen noch beindruckender und schöner. Villeicht lag es daran, dass sie nun alleine dastehen und sich präsentieren ohne all diese Touristen mit ihre Stadtkarten und Kameras rundherum. Habt ihr schon jemals im euren Leben ein denkmalgeschütztes Objekt angepinkelt? Ich habe es im dieser Nacht resp. Morgen getan. Als ein stiller Zeichen der Rebellion gegen die Touristenwahnsinn der Stadt und all diese Betrüger, die dies ausnutzen zu versuchen. Ich hoffe, Karl IV. mag mir das Verzeihen, dass ich seine Brücke dazu missbraucht habe.

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Dank Igor, der so viele Leute zu sich einlädt, hatte ich am nächsten Tag die Möglichkeit mit zwei Russen (wirklich coole Typen) nach Osten mitzufahren und das “for free”. Sie wollten mich auch gleich mit nach Moskau mitnehmen, das habe und musste ich aber schweres Herzens ablehnen. In Nachhinein war ich aber froh über meine Entscheidung, den er fuhr wie ein Berserker. Kein Wunder passieren die krassesten Unfälle in Russland. Unterweg nahmen wir noch eine Frau auf, die über blablacar.com (bin da übrigens jetzt auch angemeldet) diese Mitfahrgelegenheit gefunden hat. Sie hiess Wanda, kommt ursprünglich aus Litauen und studiert in Krakau, wo ich auch hinwollte. Eine sehr inspirierende Person, von der ich während der höllischen Fahrt viel gelernt habe. Über das Leben als Tramper, was es heisst alleine zur reisen, die viele unvorstellbare Möglichkeiten, die sich daraus ergeben und die einzigartigen Erfahrungen, die man dabei macht Ich glaube, ich habe sie bei meinen vorherigen Beitrag schon einmal zitiert.
Die Fahrt dauerte bis spät in die Nacht hinein. So kam es, dass wir, nachdem Wanda bei der Studentenwohnheim ausgestiegen ist, 2 Stunden lang durch die Stadt gefahren sind um ein Hostel zu finden, der noch freie Better hat und einen eigenen Parkplatz besitzt. Wir fanden schlussendlich den Faust- Hostel, direkt im “Old Town”. Zwar erschöpft von der Reise und der Suche bekam Sergei plötzlich den Heisshunger. Ich war nicht begeistert davon, wollte nur noch ” go chüssi lose”, ging aber widerwillig mit. Wir kauften uns Döner. Riesige Döner und das für (haltet euch fest!!) läppische 3 Euro oder 12 zlt’s!! Beim Essen kam ich nicht aus dem staunen heraus und musste dieses Wissen, dass in Polen alles total günstig ist, zuerst einmal richtig verdauen.

Am nächsten Tag versuchten die beiden mich nochmals zu überzeugen gleich mit nach Moskau kommen, “it would be legendary”, meinte Sergei dazu. Ich lehnte es nochmals ab, diesmal bestimmter, konnte aber schon meine Übernachtungsgelegenheit in Moskau bei ihm klar machen. Wir verabschiedeten uns voneinander, sie gingen weiter Richtung Moskau und ich machte mich auf um Krakau zu entdecken.

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vierter Eintrag

Willkommen in Prag, die sehr beeindruckende Hauptstadt von Tschechien. Aber zuerst erzähle ich euch einmal, wie der Weg dorthin war. Wie geplant bin ich am Samstag früh von Nürnberg losgelaufen und am Mittwoch in Prag angekommen. Dabei bin ich auf allerlei komische Leute gestossen. Angefangen hat es im Park am Wöhrbersee. Da bin ich irrtümlicherweise von einem jungen Vogelbeobachter als einer der seinen gehalten worden. Als das dann aber aufgeklärt werden konnte, erklärte er mir -und dabei erinnerte er mir sehr stark an meinen alten Schulkameraden Paul Maetschke- dass er die Vögel im Winter stets gefüttert hatte als sie auf ihn angewiesen waren. Damals schienen sie regelrecht auf ihn gestürzt zu sein, was jetzt im Frühling nicht mehr der Fall war, meinte er. Jetzt, sagte er, geht er sie hin und wieder beobachten. Am Schluss schenkte er mir als Zeichen des Respekts und seiner Anerkennung einfach so seinen Apfel, der eigentlich für die Vögel gedacht war. Mit einem Apfel in der Hand, lieferte ich also anschliessend einen “Kommandomarsch” Richtung Lauf, meine Motivation war so hoch wie noch nie. Das habe ich natürlich diese Tagen in Nürnberg zu verdanken. Die Geschichte geht noch weiter. kaum in Lauf angekommen wurde ich von einem alten Kauz “angeschnautzt”, ich nehme mit meinem Gepäck zu viel Platz auf dem Gehweg in Anspruch. Ich entschuldigte mich mich ganz demütig bei ihn mit einer beiläufige Bemerkung, dass sein “Trolley” diesen Platz halt schon braucht. Nach seiner Frage, wohin ich mit alldem eigentlich hin will, schüttelte er nach meiner Antwort nur ungläubig den Kopf und ging weiter seine Wege. Ich stand dann nur so dumm da, nicht wissend, was ich davon halten sollte.
Ich machte anschliessend auf einer Bank eine kurze Rast als ich darauf einen Sticker entdeckte, der Werbung für einen Tournament für” Reisen per Anhalter” machte. Der Timing war wirklich perfekt, denn die Blasen an den Füssen meldeten sich wieder. Ich versuchte also mein Glück und streckte meinen Daumen raus. Es dauerte aber eine Weile bis einer endlich anhielt und fuhr auch nicht dorthin wo ich eigentlich hin wollte. So landete ich in Hersbrugg, in der fränkischen Schweiz. Dieses “Schweiz” stellt nur einen Pseudonym dar, beschreibt hügelige Landschaften mit tiefen Tälen in Deutschland. Damals als dieser Begriff eigeführt wurde, war die “Schweiz” gleichverbunden mit den Bergen, es repräsentierte es. Irgendwie hat sich diese Redewendung bis heute gehalten, was bei mir dazu geführt hat, ein wenig Heimweh zukriegen als ich durch dieses Gebiet zog. Und das mit Kuhmist gefüllte Nachmittagsluft verstärkte diesen Effekt nur noch: Mmmh… swiss parfum, really swiss made! Wenn man schon lange zu Fuss unterwegs ist, ist die Lust, viele Höhemeter zu machen, nicht sonderlich gross. Darum war bei mir nach vier Steigungen auch langsam Schluss und ich nahm den nächsten Zug nach Neuhausen. Dort angekommen, wollte ich eigentlich gleich nach Pregnitz weiterfahren, der Anschluss würde aber erst in 2 Stunden abfahren. Nachdem ich den Apfel gegessen habe, machte ich mich zu Fuss weiter auf dem Weg nach Pregnitz.

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Die frostige Kälte in der Nacht bringen schon einige Vorteile mit sich. Ich stehe am Morgen schneller auf um mich sofort anzuziehen und mache immer jeweils Morgensport, damit ich mich aufwärmen kann und später keine Krämpfe kriege. Das beste an die Kälte aber ist, dass Wasser immer eiskalt ist wenn ich es trinke, was ich sehr mag. Das Resultat dabei ist immer “Hirnfrost”, der nachher meinen ganzen Körper durchschüttelt. Nachdem ich alle meinen 7 Sachen zusammen gepackt habe und ein wenig über die Felder gelaufen bin, kam ich in einen riesigen Wald hinein. Und ich meine damit wirklich riesig. Es hat mich mehr als einen Tag gekostet ihn zu durchqueren. Ich musste sogar einmal darin übernachten. Der Verdensteiner Forst, so heisst dieser Wald, hat etwas mystisches und unheimliches in sich. Mir kam es so vor, als würde ich durch Eine Mischung aus Kanada und Mittelerde ziehen. Das fiel mir aber erst ein, als “Ganddalf” wie aus dem nichts mir entgegen joggte. Macht euch aber hier nicht allzu viele Hoffnungen daraus, es war nicht wirkllich er, sondern einen fitten alten Mann, der einen weissen Bart trug, der bis an den Bauchnabel ging. Trotzdem gefiel mir diese Vorstellung, denn so kam ich richtig in “Film”, wie man es heute so schön sagt. Nochmals für die, die sich schon bereit gemacht haben, um nach Ganddalf zu suchen: Lasst es sein, es war nur meine Wahnvorstellungen, die langsam Form ihre angenommen hat.

” Ich befand mich nun in Elbenwald, die einst voller Leben war, der Luft gefüllt von den Gesängen der Elben. Vor langer Zeit aber, kehrte hier das Böse heim und brachte Tod und Verderben. Mit einer mächtigen Zauberbarriere vermochten die Waldelben aber den Marsch der Zerstörung aufzuhalten. Ein mächtiger, fast vergessener alter Zauber, der Leben als Tribut fordert, beschwörten die Waldelben auf um ihre geliebte Heimat zu schützen, so verschwanden sie und formten sich zu einer unsichbarer Mauer, der bis heute noch standhält. Nur noch ein Pfad gibt ein Hinweis darauf, was geschehen war und trennt den Wald in zwei Teilen; in Westen mit sumpfige Gelände und verdorrte Bäume wo die bösen Mächten überhand haben ,und in Osten, die von Moos überwucherten Waldgebiet wo Leben bewahrt wurde”.

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Mit dieser Einleitung lief ich dann los mit dem einzigen Ziel, Pregnitz zu erreichen um dort “den” Ring zu zerstören. Mein Wanderstock wurde kurzerhand zu einem Zauberstab und ich dadurch zum “Remy der Weise”. Der Tag zog sich so dahin wo ich ständig von “Gollum” in die Irre geführt wurde (habe mich zwei mal verlaufen) und einmal beinahe in den westlichen Teil des Waldes von den Orks gefangen worden wäre (war eine Wandergruppe auf dem Pilgerweg) bis ich endlich die letzte Bastion der Elben erreichte. Naja, eigentlich war es eine Jägerhütte/Beobachtungsposten, die ich zum Übernachten benutzt habe, da ich zu faul war mein Zelt aufzustellen. Dieser lag mehr im Osten der Wald und bot somit mehr Sicherheit vor Übergriffen. Die Nacht in der Bastion, die ich sitzend verbrachte, ging schnell vorüber mit ein paar wenigen Schreckensmomenten, auf die ich aber nicht eingehen möchte.

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Am nächsten Mittag schaffte ich endlich aus dem Wald hinaus und erreichte bald auch schon Pregnitz. Nach diesen abenteuerliche Reise gönnte ich mir zuerst einmal eine heisse Schokolade mit Frischkäse Kuchen. Der “Ring” konnte aber nicht vernichtet werden, dafür war der Brunnen in der Stadtmitte zu schwach, die eingravierten Runen waren nicht mächtig genug und kam gegen den “einen Ring” nicht an. Der erste Teil dieser Saga endete damit und ich wanderte wieder völlig normal weiter.

Am übernächsten Tag erreichte ich Marktredwitz, Teils zu Fuss und Teil mit dem Zug. Ich fragte einige Personen vor Ort, wie der Name des Ortes entstanden ist. Ich hatte sehr Mühe gehabt sie zu verstehen, ihr Dialekt war wirklich sehr aussergewöhnlich. So wie ich es mitbekommen habe, wussten die Ossis nicht viel über die Geschichte der Stadt, daher konnten sie auch meine Frage nicht beantworten. Auf Jedenfall versuchte ich in der Stadt Hinweise zu finden, warum die Stadt ein “Witz” sein soll. Nach verbeblichen Suchens hatte ich Lust wieder in einem Bett zuschlafen, konnte aber nichts günstiges finden und musste diese Stadt mit unerfüllten Bedürfnissen verlassen. Die Anspannung stieg jedoch, da die Grenze nur noch ein Katzensprung entfernt war. Denn sobald ich diese Grenze überschritten habe, werde ich das Letzte hinter mir lassen, was ich bisher kannte, nämlich die Sprache. Nach dem ich die Schweiz, mein Zuhause verliess, konnte ich mich in Deutschland immerhin noch mit den Leuten kommunizieren, was mir in gewisserweise ein wenig Sicherheit gab. Wenn mir zu dieser Zeit Tschechien in den Sinn kam, füllte meine Gedanken sich mit einer Ungewissheit, so das es mir schwer um das Herz wurde , was ich aber auch ziemlich aufregend fand. Es gab mir wie einen “Kick”, der mich letztendlich vorantrieb mit dem Motto: “Just do it” – Nike. Dieses Gefühl war es, denn ich hier auf dem Weg zu finden erhofft habe wo man nicht weiss was auf einem zu kommen wird. “Wenn man alleine unterwegs ist, entstehen unvorstellbare Möglichkeiten, alles kann passieren” – Wanda aus Litauen.

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Am Abend erreichte ich den letzten Ortschaft vor der Grenze, nur noch 5km waren zu laufen . Ich beschloss noch ein letztes Mal in Deutschland zu übernachten damit ich am nächsten Tag mit vollen Bewusstsein in ein neues Land einreisen kann und gute Lichtverhältnisse habe, für ein Foto mit einem deutschen Zollbeamten, was eines meiner Challenges ist. Doch zu diesem Fotosession kam es nie. Wie ihr villeicht wisst, haben die EU- Länder freie Handelsverkehr und offene Grenzen zu den anderen Mitgliederstaaten. Daraus folgt, dass keine Zollposten mehr vorhanden sind und somit kein Zöllner an der Grenze stehen, der sich dort für ein Foto bereithält. Allergings bemerkte ich das erst, als ich in ein Dorf kam, wo alles in ein anderer Sprache geschrieben war. Ich bin schon längstens über die Grenze stolziert ohne etwas gemerkt zu haben. Ich war mental noch nicht vorbereitet und dadurch völlig Baff nach der “Erleuchtung”. Bald schon sah ich die Welt mit völlig anderen Augen. Mein erster Eindruck von Tschechien: ziemlich heruntergekommen. Abseits der Strassen lagen immer wieder wertlose Innenaustattung von Autos herum. Es schien als wurden die gestohlenen Auto gleich nach der Grenze in ihre Einzelteile auseinander genommen und Teile,die keinen Wert haben einfach liegen gelassen. Ausrangierte Pneuhaufen war auch kein seltener Anblick. Das erste,was mich in Tschechien respektive das Dorf begrüsst hat, war eine Casino und gegenüber ein Pfandleihhaus, das aber aussah, als wäre es seit 30 Jahren geschlossen. Das Bild änderte sich auch nicht als ich Cheb erreichte. Oh doch, da gab es etwas von dem ihr noch nie etwas gehört habt, das muss ich euch unbedingt erzählen. Ab und zu kommt man an Siedlungen vorbei, bei denen man denkt, es wären Schrebergärten mit den kleinen Gartenhäuser, In diesen putzigen keinen Häusern wohnen aber Menschen! Diese 2-Zimmer Häuser, von dem eine Zimmer der Estrich ist, sind etwa 4 grosse Schritte breit und 7 grosse Schritte lang, mal ein bisschen grösser mal kleiner. Das alles faszinierte mich und ich fragte mich, wieviele Menschen so in einem dieser Häuschen leben. Einmal sah ich eine Mutter mit zwei Kinder da raus laufen, was eine Art Antwort auf meine Frage war.

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In einem Waldgelände an dem Fluss Eger, war eine Einrichtung Installiert, bei dem man Frisbee Golf spielen konnte. Auf so einer Idee muss jemand erst kommen! Es gab diverse Bahnen bei denen es immer schwieriger war, den Korb zu Treffen, denn dazwischen waren Bäume. In Cheb wollte ich in einem Hostel übernachten, die es aber dort nicht gab. Ohne gross darüber nachzudenken, endschied ich mich direkt mit der Bahn nach Prag zureisen. Ich war versessen darauf endlich wieder ein Dach über den Kopf zu haben. Die Fahrt kostete nicht viel, etwa 14 Euro. Ich stieg irrtümlicherweise aber in den falschen Zug ein. Es war ein Bummler, der zwar nach Prag fährt aber erst einen grossen Bogen macht bis an die andere Grenze bei Dresden. Der Kontrolleur hatte überhaupt keine Freude als er mein Billett sah. “Money, money”, sagte er und gab mir ein Aupreis von 3 Euro. So war ich 6 Stunden lang mit dem Zug unterwegs und konnte für einmal das ganze Land anschauen. Riesige Wohnkomplexe, die aus dem Boden ragen, Schuttgruben so gross, das sie den Horizont berühren, Häuserruinen und vieles mehr. Prag füllte sich anders an als ausserhalb als ich ankam. Viel sauberer, inernationaler, altertümlicher und schöner. Eine typische Touristenstadt wie aus dem Bilderbuch halt. So hatte ich auch keine Probleme eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Mit meinen Couchsurfing host habe ich erst am nächsten Tag meinen Ankunft abgemacht, da konnte ich nicht schon heute bei ihm aufkreuzen. Zurück zum Hostel: es war das beste Hostel zu dem ich je gegangen war. Es hiess Rosemary Hostel und liegt in der Nähe des Bahnhofes. Es kostet lediglich 11 Euro pro Nacht in 8 ter Zimmer und ist für diesen Preis verdammt sauber. Das Beste aber war eine eigene Küche im Zimmer resp. Wohnung indem man seine “eigene Suppe” kochen kann. Als Backpaker lädt man aber die Mitbewohner ein zum Essen, einerseits um das Eis zu brechen, anderseits ist das so eine Einstellung der Dankbarkeit. Man hat nicht viel, aber das was man hat teilt man gerne, Essen und Trinken hauptsächlich Habe ich übrigens in Nürnberg gelernt.

Mit den Einträgen muss ich einiges nachholen, den Prag blieb mir nicht viel Zeit dafür als zu Beginn gedacht. Die Zeit in Prag wird nächstes Mal erscheinen, versprochen!